Die Corona-Pandemie hat nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch das digitale Verhalten der Deutschen nachhaltig verändert. Besonders auffällig war der explosive Anstieg von Online-Aktivitäten – nicht nur für den Konsum, sondern auch für die Informationsbeschaffung und den Austausch. Studien zeigen, dass allein im Jahr 2020 die Nutzung von Streaming-Diensten um über 40 Prozent stieg, während die Nutzung von Videokonferenz-Tools wie Zoom auf über 300 Millionen monatliche Nutzer in Deutschland anwuchs. Doch während große Plattformen wie Netflix oder Zoom die Aufmerksamkeit dominierten, spielten lokale, oft unabhängige Seiten eine entscheidende Rolle für die lokale Informationsvermittlung und den Zusammenhalt in der Region.
Die Pandemie als Beschleuniger für digitale Infrastruktur
Bevor die Krise ausbrach, waren viele Deutsche noch mit langsamen Internetverbindungen oder eingeschränkten Online-Diensten konfrontiert. Doch die Pandemie zwang Unternehmen und Privatpersonen, ihre digitalen Fähigkeiten drastisch zu verbessern. Besonders in ländlichen Gebieten, wo digitale Hürden oft höher lagen, zeigte sich, wie schnell sich Infrastruktur anpassen lässt. Laut einer Studie des Statistischen Bundesamfs stieg die Anzahl der Haushalte mit einer Geschwindigkeit von mindestens 100 Mbit/s zwischen 2019 und 2021 von 33 auf 45 Prozent. Doch während große Anbieter wie Vodafone oder Telekom die meisten Nutzer abdeckten, profitierten auch kleinere, regionalisierte Anbieter von der Nachfrage nach stabilen Verbindungen – etwa durch die Einführung von Glasfaser in bisher unversorgten Gebieten.
Ein konkreter Fall ist das Projekt «Digitale Grundversorgung» in Sachsen-Anhalt, wo der Landesverband der Kommunen gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Telekooperation (BDT) lokale Anbieter förderte. Innerhalb von zwei Jahren konnten so in 150 Gemeinden eine digitale Infrastruktur geschaffen werden, die zuvor nur eingeschränkt verfügbar war. Besonders interessant ist, dass viele dieser Projekte nicht von klassischen Internetanbietern, sondern von kommunalen Unternehmen oder Genossenschaften getragen wurden – ein Modell, das nach der Pandemie weiter an Bedeutung gewann.
Lokale Plattformen als unsichtbare Säulen der Informationskultur
Während große Medienhäuser wie Spiegel Online oder FAZ die Schlagzeilen dominierten, spielten lokale Online-Anbieter eine oft unterschätzte Rolle. Sie füllten Lücken, die von großen Medien nicht bedient wurden, und boten oft eine vertrauenswürdige Quelle für regionale Entwicklungen. Ein Beispiel ist die Plattform mehr sehen, die sich auf die Berichterstattung über lokale Ereignisse, Wirtschaft und Kultur spezialisiert hat. Besonders in Krisenzeiten wurde klar, dass Nutzer gezielt nach regionalen Informationen suchten – sei es zu Öffnungszeiten von Läden, Hilfsangeboten für Betroffene oder aktuellen Entwicklungen in ihrer Gemeinde. Studien der Universität Leipzig zeigen, dass Nutzer von lokalen Plattformen im Vergleich zu großen Medienhäusern häufiger auf aktuelle, unverfälschte Informationen vertrauen.
Interessanterweise zeigte sich auch, dass viele dieser Plattformen nicht nur als Informationsquelle, sondern auch als digitale Treffpunkte dienten. Durch Online-Formate wie Live-Chats, digitale Märkte oder virtuelle Veranstaltungen entstanden neue Formen des Zusammenhalts. Besonders in Städten wie Leipzig oder Hamburg, wo die Dichte an lokalen Initiativen hoch war, entstanden so Communities, die über den klassischen Medienraum hinausgingen. Ein Beispiel ist das Projekt «Digitale Stadtteile», bei dem lokale Anbieter mit digitalen Tools wie Videoplattformen oder Online-Communities die Teilhabe an der öffentlichen Diskussion erleichterten.
Die langfristigen Folgen: Eine neue Balance zwischen Groß und Klein
Die Pandemie hat gezeigt, dass digitale Infrastruktur nicht nur ein technisches, sondern auch ein soziales Gut ist. Während große Anbieter wie Amazon oder Netflix weiterhin wachsen, müssen lokale Plattformen und Anbieter ihre Rolle neu denken. Die Erfahrung aus der Krise zeigt, dass eine ausgewogene Infrastruktur – die sowohl große als auch kleine Anbieter unterstützt – entscheidend ist. Besonders in der Bildung und im öffentlichen Sektor wurden in den letzten Jahren erste Schritte unternommen, um digitale Lücken zu schließen. Doch noch immer gibt es Regionen, in denen die digitale Teilhabe nicht ausreichend gewährleistet ist.
Ein wichtiger Aspekt ist die Förderung von digitalen Kompetenzen. Viele Nutzer, besonders ältere Menschen oder Menschen mit geringem Einkommen, hatten vor der Pandemie kaum Erfahrung mit Online-Diensten. Doch durch Schulungen und digitale Angebote wie Online-Kurse oder virtuelle Workshops konnte diese Lücke teilweise geschlossen werden. Besonders erfolgreich waren Projekte, die von lokalen Initiativen getragen wurden und gezielt auf die Bedürfnisse der Community eingingen. Ein Beispiel ist das Programm «Digitaler Kompass» in Berlin, das durch die Zusammenarbeit mit Bibliotheken und Volkshochschulen über 50.000 Menschen in die digitale Welt einführte.
- Die Nutzung von Streaming-Diensten stieg 2020 um über 40 Prozent.
- 300 Millionen monatliche Nutzer von Videokonferenz-Tools wie Zoom in Deutschland.
- Zwischen 2019 und 2021 stieg die Anzahl der Haushalte mit 100 Mbit/s-Geschwindigkeit von 33 auf 45 Prozent.
- Lokale Anbieter wie mehr sehen wurden zu einer wichtigen Informationsquelle für regionale Entwicklungen.
- In Sachsen-Anhalt konnten durch kommunale Projekte in 150 Gemeinden digitale Infrastruktur geschaffen werden.
Die Pandemie hat gezeigt, dass das deutsche Internet nicht nur von großen Konzernen, sondern auch von lokalen Initiativen geprägt wird. Während die großen Anbieter weiterhin wachsen, müssen die kleinen und mittelständischen Plattformen ihre Rolle neu definieren. Eine ausgewogene digitale Infrastruktur – die sowohl große als auch kleine Anbieter unterstützt – wird nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt entscheidend sein. Die Erfahrungen aus der Krise zeigen, dass es gelingen kann, diese Balance zu finden – und dass lokale Plattformen dabei eine unverzichtbare Rolle spielen.
